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Wie Immobilienscout die Förderung von Start-ups in Misskredit bringt

Immobilienscout investiert nicht in Start-ups. Es nutzt seinen Inkubator YouIsNow für verbilligte Auftragsproduktionen, mit denen sie Kosten senken und Risiken auslagern. Beim Start-up Deskwanted verursachten sie so sechsstellige Schulden.

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Hinter YouIsNow steht eine verbilligte Auftragsproduktion unternehmenseigener Angebote. Immobilienscout bestimmt die Entwicklung des Produktes, überlässt jedoch beim Scheitern der Angebote - oder aus beliebig anderen Gründen - den "geförderten" Unternehmen die Scherbenhaufen. So umgeht Immobilienscout lästige Arbeitsrechtsgesetze, braucht keine entsprechenden Kündigungsfristen einzuhalten und muss sich nicht um die restliche Abwicklung kümmern. Gleichzeitig erhöht Immobilienscout mit diesen ungünstigen Aussichten den Druck auf die Gründer, um noch bessere Konditionen für sich herauszuhandeln. 

Um auch bei Deskwanted dieses "Fördermodell" durchzusetzen, brachte Immobilienscout es bereits während Ende der ersten Förderung in Zahlungsschwierigkeiten (u.a. mussten sich die Gründer verschulden) und zwang das Start-up so in den neuen Vertrag mit wesentlich schlechteren Konditionen.

Andererseits erhält Immobilienscout mit den Gründern zu Beginn der Förderung Leute, die an ihr Produkt glauben, und es engagierter und günstiger als normale Angestellte entwickeln. Schließlich arbeiten Gründer selten nur von 9 bis 17 Uhr. Immobilienscout investiert so über seinen Inkubator in sich selbst, senkt Kosten und lagert mehr Risiken aus. Die Gründer, die sich als Pseudounternehmer mit dem Geschäftsmodell von Immobilienscout arrangieren, können später als Angestellte oder Berater im Unternehmen tätig werden. Die Leute, die sich nicht damit arrangieren können, droht die Pleite.

Die von Immobilienscout erstellte Übersicht gezahlter Leistungen an Deskwanted belegt, dass sie nur einen Tag nach der Kündigung, ab dem 13.04.2013, keine Personalkosten mehr zahlen wollten - und bis heute auch nicht zahlten (Bezahlte Teilbeträge im Mai beziehen sich auf die Zeit vor dem 12.04.2013). Ein Unternehmen kann nicht innerhalb von 24 Stunden seine Ausgaben auf Null fahren, es existieren u.a. Verbindlichkeiten wie Mitarbeitergehälter, die arbeitsrechtlich längere Kündigungsfristen berücksichtigen müssen.

Mit der erzwungenen Insolvenz von Deskwanted kann Immobilienscout das Produkt nun schneller und günstiger erwerben, ganz ohne dreijährigen Vertrag. Oder wie es bei der letzten Veranstaltung von YouIsNow doppeldeutig hieß: "Move fast and break things".

Immobilienscout arbeitet mit Deskwanted-Mitarbeitern wieder zusammen

Gegen einen der Gründer und Geschäftsführer der Deskwanted GmbH, Joel Dullroy, wurde kürzlich ebenfalls Strafantrag gestellt. Ihm wird Beihilfe zum Bankrott seines Unternehmens zur Last gelegt. 

Er schrieb auf Wunsch von Immobilienscout Rechnungen, die niedriger lagen als das vereinbarte Budget. Außerdem akzeptierte Dullroy die Kündigung durch Immobilienscout in Stundenfrist. Er schadete damit dem eigenen Unternehmen und trieb es zusammen mit Immobilienscout schlußendlich in den Bankrott. Im Anschluss arbeitete er wieder mit Immobilienscout zusammen. 

Zusammenarbeit läuft über Social Media Week Berlin

Die Zusammenarbeit läuft über die Social Media Week Berlin, die diese Woche u.a. in den Räumen von Immobilienscout stattfindet. Die Zusammenarbeit wurde bereits vor der Kündigung von Deskwanted vereinbart, weshalb vermutlich ihr Stattfinden nicht durch Unstimmigkeiten bei Deskwanted gefährdet werden sollten.

Dullroy hält die Rechte an der Berliner Ausgabe der Social Media Week. Im August wurde dafür ein neuer Verein gegründet. Der Verein unterhält seinen Sitz dabei unter der Adresse von Dullroy. Ehemalige Mitarbeiter von Deskwanted arbeiten ebenfalls für die Social Media Week Berlin. Dullroy kündigte diesen Mitarbeitern zuvor bei Deskwanted. Sie gingen anschließend vor das Arbeitsgericht und klagten ihr Deskwanted-Gehalt für mehrere Monate ein. Über dieses Konstrukt sollte Deskwanted vermutlich für ihre Gehälter bei der Social Media Week Berlin aufkommen. Deskwanted organisierte letztes Jahr selbst noch diese Veranstaltung.

Die Immobilienscout GmbH unterstützt die Social Media Week Berlin, in dem sie mindestens kostenfrei Veranstaltungs- und Büroräume bereitstellt und die Veranstaltung über eigene Pressemitteilungen bewirbt. Dies entspricht geldwerten Leistungen

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die im Juli von Immobilienscout getroffene Aussage, dass sich nur der verantwortliche Geschäftsführer von Deskwanted, reduziert auf ein "einzelnes Teammitglied", über die Kündigung durch Immobilienscout öffentlich beschwerte. Einfach weil die anderen Mitarbeiter weiterhin mit Immobilienscout zusammenarbeiten. Am 13. September postete die Social Media Week Berlin auf ihrem Facebook-Profil lächelnde Personen. Sie zeigen Dullroy mit ehemaligen Mitarbeitern der Deskwanted GmbH in den Räumen von Immobilienscout - einen Tag nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihres ehemaligen Arbeitgebers bzw. ihrer eigenen Gesellschaft, der Deskwanted GmbH. 

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