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Neue Normalität und Soziale Distanz sind die Unwörter des Jahres

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Kurze und knackige Begriffe erfreuen sich auch in der Krise großer Beliebtheit. Blöd, wenn sie nicht wiedergeben, was sie beschreiben sollen. Gefährlich, wenn sie das Gegenteil ausdrücken. Worte können Taten fördern, ihre falsche Verwendung die Realität verzerren. Warum die Begriffe “Neue Normalität” und “Social Distancing” zu den Unwörtern des Jahres gehören, erfährst du, wenn du kurz über sie nachdenkst oder hier im Artikel.

Nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Freiheitsrechte derart weitreichend beschnitten. Die Einschränkungen mögen einem guten, wichtigem Zweck dienen, die Verbreitung des Coronavirus hemmen und unsere Gesellschaft schützen.

Doch selbst wenn man sie befürwortet und sich mit solchen Maßnahmen arrangiert, ist an der zeitweisen Aussetzung einzelner Grundrechte nichts “normal”, auch nicht “neunormal”.

Normalität umschreibt den selbstverständlichen Zustand von Normen. Nur weil etwas ‘neu’ erscheint und zunächst bestehen bleibt, wird es nicht normal. Nur weil etwas verständlich ist, wird es nicht selbstverständlich. Dies gilt nicht nur für staatliche Vorgaben und Eingriffe. Dies gilt ebenso für individuell vorgenommene Verhaltensänderungen, die auf die aktuelle Situation reagieren.  

Sind die verfassungsrechtlich garantierten Freiheiten normal oder deren Einschränkungen? 

Es entspricht nicht der Norm, wenn Kinder nicht oder nur eingeschränkt zur Schule gehen dürfen. Eltern nicht besuchen, wird nicht normal, nur weil man es untersagt, ein beschränkter oder mit Auflagen verbundener Ausgang ebenso wenig. 

Strafbewehrte Verbote oder Einschränkungen alltäglicher Geschäfte werden nicht normal. Ebenso wenig normal sind Versammlungsverbote. Selbst wenn Verschwörungstheoretiker als Erste auf der Straße dagegen protestieren mögen, und Meinungen weiterhin digital geäußert werden können.

Auch gelockerte Einschränkungen werden nicht normal, solange Eingriffe in die Grundrechte weiter bestehen.

Wer lediglich auf einen weiteren Abstand oder das Tragen einer Maske hinweist, dem sei gesagt, dies mag erträglicher sein als die anderen Einschränkungen. Macht sie jedoch nicht normal. 

Wer Begriffsdebatten als Korinthenkackerei abtut, sei darauf hingewiesen wie Euphemismen funktionieren. Sie verzerren oder verschleiern die Realität. 

Welcher Begriff eignet sich besser als die 'Neue Normalität'?

In fast jedem Wörterbuch finden sich bessere Antworten. Anomalie beschreibt die Abweichung vom Normalen, ebenso wie Ausnahmezustand. Wenn alles schnell normal wäre, gäbe es beides nicht.

Die aktuelle Situation ist ebenso anomal wie die Reaktionen darauf. Sie sollte auch so genannt werden. 'Derzeitige Einschränkungen' ersetzt die 'Neue Normalität' noch treffender. 

Anders als die Normalität müssen Abweichungen erklärt werden. Einschränkungen sollten hinterfragt werden dürfen, um die aktuell richtige Balance zwischen Freiheitsbeschränkungen und Reduktion der Virusverbreitung zu finden. Das kann ziemlich nerven. Die staatlichen Eingriffe zu befristen, und sich nicht an sie zu gewöhnen, sollte dennoch selbstverständlich jederzeit das Ziel bleiben. 

Anderweitig werden grundgesetzliche garantierte Freiheiten in den anomalen Bereich gerückt, weil sie selbst von den neuen Normen abweichen. Der Begriff “Neue Normalität” für Einschränkungen ist deshalb nicht nur falsch, er unterminiert das Ziel ihrer Befristung. 

Journalisten sollten dies reflektieren und Politiker diesen Begriff für Verallgemeinerungen meiden. Es existieren bereits Regime, die den Virus zu ihrer Machtausweitung nutzten, und ihre Variante der “neuen Normalität” einführten. Auch wenn wir eine ähnliche Entwicklung in Deutschland vermutlich nicht befürchten müssen.

Die echte Neue Normalität beginnt, wenn die Grundrechte wieder hergestellt sind

Der Virus mag nicht verschwinden. Die soziale Gefahr, die von ihm ausgeht, vergeht jedoch. Selbst wenn wir nicht wissen, wann ausreichend geeignete Impfungen oder Heilmittel bereitstehen, oder andere weit weniger einschränkende Maßnahmen helfen, wird dieser Zeitpunkt in Schritten kommen. 

Frühestens wenn die Grundrechte wieder hergestellt sind, beginnt die Neue Normalität. Sie bringt neue - selbstverständliche - Normen hervor, wie beispielsweise mehr akzeptierte digitalisierte Möglichkeiten. Virusbedingte Verhaltensformen oder Verbote, wie die Meidung von Menschenansammlungen, verschwinden wieder aus dem Mainstream.

'Social Distancing' ist 'Antisocial Wording'

Bis dahin heißt es etwas mehr Abstand halten, aber keinen sozialen. Nicht die soziale Entfremdung der Menschen hilft. Physischer, also ein etwas größerer räumlicher Abstand mindert die Verbreitung des Virus. Extern aufgezwungene soziale Abstände dagegen führen zu Isolation, psychischen Schäden und asozialem Verhalten.

Allein die wirtschaftlichen Folgen der Einschränkungen werden neue soziale Konflikte forcieren. Es scheint unnötig, sie mit falsch genutzten Begriffen zusätzlich zu fördern. Hilf dir selbst und der Gesellschaft besser durch die Krise, in dem du die richtigen Wörter für die aktuellen Probleme und deren Lösungen findest.

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In diesem Artikel werden nicht allgemein Maßnahmen gegen die Virusverbreitung kritisiert, sondern die Wirkung ihrer falschen und irreführenden Beschreibung.

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