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Dass es für Stipendien für Studenten gibt, weiß jeder. Aber Stipendien für Freelancer? Es scheint, als wüssten davon nur recht wenige. Und wenn sie es wissen, dann bewerben sie sich nicht. Zu groß die Hemmungen, zu groß die Befürchtung vor einer Absage. Dabei kann ein Stipendium viel bewirken: Man baut sich ein neues berufliches Netzwerk auf, steigert seinen Marktwert und wird obendrein finanziell gefördert. Allerdings ist die Bewerbung für ein Stipendium auch mit Aufwand verbunden. Man muss zeigen, was man drauf hat. Welcher Freiberufler will dieses Risiko eingehen?

Einen ersten Einblick in die Stipendienwelt für Freiberufler gibt die Seite Als-Freiberufler.de: Dort gibt eine Stipendien-Datenbank für Freelancer. Ob für Journalisten, Fotografen, Künstler oder Übersetzer: Es gibt für viele Kreativ-Branchen eigene Stipendienprogramme. Dazu kann man auf der Seite Interviews mit Stipendien-Vergebern lesen.

Wer die Interviews mit den Stipendien-Institutionen liest, kommt erst einmal ins Stutzen: „Die Zahl der Bewerbungen hat deutlich abgenommen“, sagt zum Beispiel Martina Johns von der Geschäftsstelle der IJP, der Internationalen Journalisten-Programme. Früher sammelten sich ganze Wäschekörbe voll Bewerbungen an. Heute gibt es zwischen zehn und 20 Bewerbungen pro Stipendium. Dafür, dass Stipendiaten bis zu 5.000 Euro für eine Recherchereise ins Ausland erhalten, eine vergleichsweise geringe Zahl. Ihre Erklärung: „Viele Freiberufler fürchten, dass sie ihren Kundenstamm verlieren und ein anderer Freier an ihre Stelle rückt.“ 

Die Sorge vieler freier Journalisten steht exemplarisch für die Kreativen in Deutschland: Viele Kunden haben den Anspruch, dass ihre Freiberufler ständig verfügbar sind. Und viele Freiberufler beugen sich diesem Druck. Schade! Denn sie verschenken berufliche Chancen, weil sie nicht über ihren Schatten springen wollen. 

Drei Gründe, die für ein Stipendium sprechen: 

1) Ein neues berufliches Netzwerk: Gerade für Freiberufler ist ein gut sortiertes Netzwerk A und O für den beruflichen Erfolg. Das liest man überall und kann es eigentlich nicht mehr hören. Warum? Weil „Netzwerken“ oft peinliche Züge annimmt. Manch einer schmeißt auf öffentlichen Veranstaltungen mit seinen Visitenkarten um sich, in der Hoffnung, dass darüber die Aufträge kommen. In den Alumni-Netzwerken der Stipendienprogramme läuft das Netzwerken dagegen anders ab. Die Gruppen sind kleiner und geschlossener. Gleichzeitig treffen sich in Stipendienprogrammen häufig nur die Engagiertesten ihres Fachs. 

2) Gesteigerter Marktwert: Wer es schafft, Stipendiat zu werden, baut sich langfristig eine höhere Reputation und damit einen höheren Marktwert auf. Ein Stipendium kann wie ein Zertifikat wirken: „Dieser Freiberufler hier hat etwas auf dem Kasten, weil er gefördert wird.“ Das gilt im Zweifel mehr als die übliche Selbst-Beweihräucherung auf der eigenen Website, wo jeder behauptet, er liefere hochqualitative Arbeit ab. Denn der Kunde selbst kennt sich häufig nicht aus. Wie kann er als Laie die unterschiedliche Qualität von zwei Grafikern erkennen? Im Grunde gar nicht, wenn es kein Zertifikat oder plakative Kundenreferenzen gibt. Kein Wunder, dass die meisten den günstigeren von beiden nehmen.

3) Finanzielle Förderung: Kreative sind arm, aber glücklich. Das haben im vergangenen Jahr wieder einmal Wirtschaftsforscher festgestellt. Das ist schön, aber auch traurig. Wie wäre es denn mit reich und glücklich? Na gut, reich ist vielleicht übertrieben. Aber ein bisschen mehr Geld darf es schon sein, oder? Viele kreative Freiberufler unterschätzen, wie angenehm es ist, wenn man die eigenen Fixkosten reduzieren kann. Etwa in dem man Weiterbildungen und Workshops finanziert bekommt, wie beim PIC-Stipendium für junge Nachwuchsfotografen. Das berichtet der Vorsitzende Manfred Dilling im Interview.

Besonders für Berufseinsteiger und junge Freiberufler sind Stipendien interessant: Sie können von erfahrenen und etablierten Kollegen aus ihrer Branche das Handwerk lernen. Denn das große Problem vieler Freelancer: Trotz Coworking Spaces oder Bürogemeinschaften arbeitet man letzten Endes alleine. Freelancer sind Einzelkämpfer. So dreht man sich schnell im Kreis, ohne es zu merken. Oder man ist zu kritisch zu sich selbst. Und weil das professionelle Feedback von außen fehlt, schätzt man sich selbst falsch ein. Die klassische „Betriebsblindheit“ lässt grüßen.

... und was mache ich mit meinen Kunden?

Und was mache ich mit meinen Kunden, wenn ich ein Stipendium annehme? Diese Frage stellen sich vor allem die freien Journalisten, die mit den IJP für mehrere Monate ins Ausland reisen wollen. Die Antwort: Auch während des Stipendiums kann man für seinen bestehenden Kunden arbeiten! Letztlich braucht doch jeder nur einen Laptop, Internet und ein Handy.

Außerdem sind die IJP nur eine Stipendien-Variante von vielen. Andere Programme unterstützen die Stipendiaten bei ihren aktuellen Projekten, zum Beispiel der Deutsche Übersetzerfonds. Und das PIC-Stipendium für junge Nachwuchsfotografen setzt auf Workshops und Seminare. So hat jedes Stipendium seine eigenen Schwerpunkte. 

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Zum Gastautor

Benjamin O’Daniel arbeitet als freier Journalist in Köln. Er ist Redaktionsleiter von Existenzgründer-Jungunternehmer.de und hat den erwähnten Stipendien-Kompass für Freiberufler mit aufgebaut.

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