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Coworking Spaces, Cities

Der ländliche Weg des Coworkings

Der Gemeinschaftsraum im Freiraum 87 (Bild: Freiraum87.de)

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Coworking in Kleinstädten funktioniert etwas anders als in großen, anonymeren Orten. Ausgehend von den Ergebnissen der letzten Woche sprachen wir mit vier Betreibern von Coworking Spaces in kleineren Ortschaften über die Unterschiede. Ihre Mitglieder benötigen die neuen Arbeitsräume seltener, weil sie häufig weiter wegwohnen, zu Hause mehr Räume besitzen und generell in einem dichteren sozialen Netzwerk leben. Allerdings bieten sie gerade auch deshalb für die berufliche Arbeit mehr Abwechslung und wegen der heterogeneren Alterstruktur bestehen für die Mitglieder besonders gute Möglichkeiten, voneinander zu lernen.

 

An dem Interview beteiligten sich folgende Coworking-Spaces:

Freiraum87, Frederik Littschwager, Kempten, 62.000 EW
Veel Hoeden, Joel Bennett, Pella (Iowa, USA), 10.000 EW
Wexelwirken, Christopher Schmidhofer, Kusterdingen, 8.000 EW
Unternehmerwerk, Ralf Jacubowsky v. Einem, Altenmedingen, 1.500 EW


Deskmag: Warum arbeiten Coworker in Kleinstädten nur halb so oft täglich in ihrem Coworking Space als Großstädter?

Frederik: Kleinstädter besitzen ein dichteres soziales Netz. Jeder kennt jeden, es läuft alles weniger anonym. Der Wunsch nach stärkerer Vernetzung im Alltag ist daher zunächst geringer ausgeprägt. Einen zweiten Grund sehe ich in dem Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer weiter weg wohnt, muss schon ein Auto besitzen. Da siegt dann oft die Bequemlichkeit. Eine Onlineumfrage zeigte, die Kunden nehmen maximal 20km oder 30 Minuten Anfahrtsweg in Kauf.

Joel: Es ist etwas dazwischen. Die Abläufe ändern sich Woche für Woche. Einige unserer Mitglieder arbeiten im Verkauf und verreisen dafür periodisch, während sie in anderen Wochen hier täglich arbeiten.

Christopher: Selbsständige bei uns haben auch oft einen verstreuten Kundenkreis, sie müssen öfters zu ihren Kunden fahren. Außerdem besitzen viele eine Familie, die ihre Zeit binden. Aber obwohl sie täglich seltener erscheinen, denke ich, sind sie sehr überzeugt vom Coworking-Konzept.

Ralf: Unser Angebot richtet sich weniger an die Masse und doch an ein breites Publikum. Wir bieten neben den Arbeitsplätzen auch Klausurzimmer und Ferienwohnungen. Die Räume werden daher eher für einzelne Phasen der Projektentwicklung genutzt, und nicht notwendigerweise täglich. Außerdem sind die Leute auf dem Land, wie bereits erwähnt, stärker vernetzt und weniger allein auf sich gestellt. In den großen Städten flüchtet man eher täglich vor einer lauten WG oder den beengteren Räumlichkeiten einer Stadtwohnung.

 

Deskmag: Aber warum suchen Kleinstädter dann noch stärker nach Interaktionsmöglichkeiten in Coworking Spaces als Großstädter?

Frederik: Das überrascht mich auch ein wenig. In der Kleinstadt lernt man schnell alle Akteure in einem Milieu kennen. Vielleicht bieten die Coworking daher bei der Suche nach neuen Perspektiven andere Interaktionsmöglichkeiten. Gerade berufliche Interessensgruppen bilden sich in kleineren Städten schwer.

Joel: Schwer zu beurteilen, ich glaube unsere Coworking-Mitglieder legen großen Wert auf Treffen mit anderen Kleinunternehmern und Selbstständigen. Unsere größten Veranstaltungen sind auch die, wo wir auf das Netzwerken den stärksten Fokus legen.

 

Deskmag: Nun zeigt die Befragung trotz der für wichtig gehaltenen Interaktionsmöglichkeiten gleichzeitig auch einen stärkeren Wunsch nach Privatsphäre, wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären?

Christopher: Viele Coworker im ländlichen Bereich besitzen wie gesagt eine Familie. Um da rauszukommen, nutzen sie unser Coworking-Konzept ein-, zweimal pro Woche. Wir bieten ihnen hier die Ruhe zum Arbeiten und gleichzeitig Interaktivität für den beruflichen Bereich – das ist der Mehrwert eines Büros.

Frederik: In der Tat ist das ein scheinbarer Widerspruch. Mit Privatsphäre verbindet sich oft auch die Abgrenzung von Konkurrenten. Und in diesem Umfeld sind viele hier groß geworden. Da ist das Teilen als Erfolgsmodell etwas Neues, was vielen noch nicht einleuchten mag. Daher drücken viele Coworker zunächst ihren Wunsch nach Privatsphäre aus.

Wir entschieden uns deshalb für zwei Modelle, die diesen Gegensatz behutsam auflösen. Ein Gemeinschaftsbüro mit selbstgebauten kleinen Sichtschutzwänden, so hoch, dass man sich noch selbst sehen, aber nicht ständig aufs Papier geschaut wird. Als zweite Lösung gibt es kleinere Einzel- oder Team-Büros. Wir wissen, dass es eigentlich der Coworking-Philosophie widerspricht. Wir schauen jetzt, ob das in der Praxis funktioniert.

Joel: Wir bieten auch Einzelbüros, wenn Leute ihre Arbeit mal ohne irgendwelche Störungen fertigbekommen wollen. Interessant ist allerdings, dass sie die Türen zu ihren privaten Büros dennoch selten schließen, um weiterhin die Interaktion mit anderen Mitgliedern zu genießen.

 

Deskmag: Eine letzte Frage, Coworker in ländlichen Bereich sind häufig älter, ändert sich dadurch auch etwas in der Interaktion miteinander?

Joel: Wir haben einen ziemlichen spannenden Mix aus allen Altersgruppen, Zwanziger bis Sechziger. Auch wenn die 30jährigen den größten Teil ausmachen, erlaubt es interessante Gespräche zwischen den Generationen. Die Jüngeren teilen ihr Wissen über neue Technologien und Onlineressourcen, die Älteren geben ihre Erfahrung in Networking und Karriereplanung weiter.

Frederik: Auch unsere Nutzer kommen aus allen Generationen. Gerade Städte mit Universitäten besitzen einen jüngeren Alterdurchschnitt, deshalb ist wahrscheinlich ein einfaches Abbild des tatsächlichen Bevölkerungsdurchschnitts. Ich glaube jedoch auch, dass die Generationen enorm voneinander lernen können, wenn man sich gegenseitig zuhört. Und weil mir diese Vernetzung besonders am Herzen liegt, arbeiten wir gerade an einem Generationenfrühstück, denn wo kann man sich besser vernetzen als beim Essen?

Christopher: Meine Erfahrungen decken sich hier nicht mit der Statistik. Jeder Coworking Space ist anders, je nachdem wer ihn betreibt. Die Altersstruktur hängt daher auch von der Offenheit der Betreiber ab. Eine heterogene Altersstruktur finde ich dabei auch interessanter als eine homogene, um sich miteinander auszutauschen.

 

Deskmag: Danke für das Gespräch!

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